Stimulation paretischer Muskulatur

Bei einer Parese ist die Nervenleitung zu einem Muskel oder einer Muskelgruppe aus verschiedenen Gründen gestört. Die willentliche Aktivierung des Muskels gelingt nicht mehr und der Muskel wird inaktiv. Durch diese Inaktivität verringert sich die Anzahl der aktiven Muskelfasern und der Muskel nimmt innerhalb weniger Wochen an Umfang ab (Atrophie).

Der Einsatz von Elektrostimulation ist sinnvoll:
  • a) um eine Muskelatrophie in der Regenerationsphase der Nerven zu verhindern oder zumindest zu verzögern
  • b) um ggf. die nervöse Bahnung durch Intentionsübungen und positives Feedback zu beschleunigen
  • c) um bei fortschreitender Genesung ein dem Zustand entsprechendes Muskelaufbautraining und/oder mit Hilfe eines Fußschalters gezieltes Gehtraining durchzuführen.

Die einleitende Behandlung besteht in der Regel aus langen Einzelimpulsen in Dreieck- oder Trapezform, da der paretische Muskel nicht oder nur sehr schlecht auf die bei normaler Muskelstimulation üblichen kurzen Rechteckimpulse reagiert. Die Länge des Impulsanstiegs sorgt für eine Reaktion des paretischen Muskels, verhindert aber andererseits dass die umgebende gesunde Muskulatur ebenfalls kontrahiert (selektive Reizung). Durch wiederholte kurze einzelne Zuckungen soll in der Regenerationsphase der Nerven eine muskuläre Atrophie verhindert oder zumindest verzögert werden.

Eine der häufigsten Paresen ist die Peronaeus-Parese oder Fußheberschwäche. Der Peronaeus-Nerv aktiviert die Fußhebermuskulatur. Sofern die Nervenverbindung zur Muskulatur durch Unfall oder Krankheit unterbrochen ist, spricht man von denervierter - ist sie nur gestört, von teildenervierter oder partiell denervierter Muskulatur (= schlaffe Lähmung).
Sobald der Muskel auf Rechteckimpulse reagiert, kann nun in der zweiten Phase der Therapie einerseits normales Muskeltraining mit Schwellstrom und Arbeits-/Ruhe-Rhythmen angewendet werden und andererseits mit dem Gehtraining begonnen werden. Dabei unterstützt die Elektrostimulation - ausgelöst durch einen Fußschalter - das Anheben der Fußspitze in der Schwungphase eines Schrittes. Individuell einstellbare Verzögerungszeiten ermöglichen eine gangsynchrone Stimulation.

Die Peronaeus-Behandlung kann also in vier unterschiedliche Abschnitte gegliedert werden:
  • 1. Erstellung einer I/t-Kurve zur Ermittlung des Ausmaßes des Problems
  • 2. Stimulation mit langen dreieckigen oder trapezförmigen Einzelimpulsen zur Verhinderung von Muskelatrophie
  • 3. Training des geschädigten Nerv-Muskelsystems mit Schwellstrom aus Rechteckimpulsen mittlerer Länge mit abnehmender Tendenz.
  • 4. Gehtraining mit Schwellstrom aus kurzen Rechteckimpulsen - gesteuert durch einen Fußschalter

Ältere Geräte zur Peronaeus-Behandlung leisten häufig nur einen dieser 4 Teilbereiche, sodass beispielsweise stationäre Praxisgeräte genutzt werden mussten, um die I/t-Kurve zu erstellen und dazu noch drei unterschiedliche Stimulatoren in der Heimtherapie erforderlich waren, um die Bereiche 2-4 abzudecken. PeroBravo ermöglicht nun - entsprechend den Instruktionen des Arztes oder Therapeuten - die häusliche Behandlung von Anfang bis Ende.